Roger Löcherbach - Skulpturen aus Holz

Meine Skulpturen sind immer aus einem Stamm gehauen. Ich verwende verschiedene heimische Holzarten, wie sie gerade anfallen. Am liebsten sind mir aber Eiche, Linde und Obsthölzer.

Haltung und Gestik meiner Figuren entwickle ich aus meiner Vorstellung und der Wuchsform der vorgefundenen Stammformen. Mich interessieren dabei besonders ungewöhnlich geformte Stücke wie z.B. Astgabeln. Ich verändere ihre gewohnte Erscheinung, ich drehe sie um oder lege sie hin und versuche sie mit meiner Vorstellung von der Skulptur zusammenzubringen. In diesem Stadium entstehen oft kleine Ideenskizzen, die später mein innerer Anhaltspunkt sind. Im Arbeitsprozess nähern sich meine Vorstellung und die gewachsene Form an.

Die Bearbeitung geschieht zuerst mit der Kettensäge. Wenn für mich bis dahin die Figur stimmt, bleibt sie in dem Rohzustand erhalten. Ich verzichte dann auf Details wie die Ausarbeitung des Gesichts oder der Hände. Die Haltung und die Silhouette machen dann die Wirkung der Figur aus. Bei vielen Figuren erfolgt aber noch eine Weiterbearbeitung mit dem Schnitzeisen, manchmal auch bis hin zur Glättung der Oberfläche mit Schmirgelpapieren. Dadurch tritt die Maserung des Holzes hervor, die die plastischen Formen unterstreicht. Die Ausarbeitung von Händen und Gesicht sind Möglichkeiten, um den Ausdruck einer Figur zu gestalten. Jede Figur erhält durch die Bearbeitung eine Aura. Wenn ich diese Wirkung spüre, ist für mich die Bearbeitung abgeschlossen und ich kann sie dem Raum anvertrauen. Für mich ist der Mensch Thema meiner plastischen Arbeit. Holz als organisches, lebendiges Material hat für mich eine enge Beziehung zum Mensch. Ich verändere oft den Maßstab in Unterlebensgröße, Fastlebensgröße, eher selten in Überlebensgröße, weil ich zu große Monumentalität vermeiden will. Meine Figuren sind in Bewegung, Anspannung aber auch Ruhe, in Kampf, Liebe oder auch Alleinsein. Dies sind Empfindungen wie sie jeder aus dem Leben kennt.